Die Lebendige Pfarrscheune und Ihre lange und wechselvolle Geschichte

Vom landwirtschaftlichen Nutzbau zum pulsierenden Dorfzentrum: Die Geschichte der Pfarrscheune Igstadt

Jedes alte Gebäude hat Mauern, aber nur wenige erzählen eine so dramatische und faszinierende Geschichte wie unser historisches Ensemble. Wer heute durch den Pfarrhof schlendert oder in der gemütlich beleuchteten Scheune feiert, ahnt kaum, wie viele Schicksalsschläge, Brände und Wiederaufbauten diese Steine im Laufe der Jahrhunderte überstanden haben.

Eine grafische Textur im Stil von altem, vergilbtem Pergamentpapier und Papyrus, die als historischer Hintergrund für die Chronik zur Geschichte der Pfarrscheune Igstadt dient

Historie des Ensembles

Jedes alte Gebäude hat Mauern, aber nur wenige erzählen eine so dramatische und faszinierende Geschichte wie unser historisches Ensemble. Wer heute durch den Pfarrhof schlendert oder in der gemütlich beleuchteten Scheune feiert, ahnt kaum, wie viele Schicksalsschläge, Brände und Wiederaufbauten diese Steine im Laufe der Jahrhunderte überstanden haben.

Die Geschichte der Pfarrscheune Igstadt ist kein staubiges Archiv, sondern eine jahrhundertelange Berg- und Talfahrt, geprägt von den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, verheerenden Brandkatastrophen und dem ständigen Kampf um finanzielle Mittel. Es ist eine Chronik, die zeigt, dass dieses Areal schon immer eng mit dem Schicksal und dem Überlebenswillen der Menschen vor Ort verknüpft war. Doch weit über die historischen Rückschläge hinaus ist es vor allem die Geschichte einer leidenschaftlichen Dorfgemeinschaft: Mit unermüdlichem, ehrenamtlichem Engagement retteten die Igstadter die Ruine vor dem Verfall und schufen Stein für Stein ihr heutiges, lebendiges „Schmuckkästchen“.

Werfen Sie einen Blick in die Vergangenheit und begleiten Sie uns auf einer Zeitreise durch die Jahrhunderte – von den ersten Klagen der Pfarrer über die harte Arbeit auf dem Land bis hin zur feierlichen Geburtsstunde unseres modernen Gemeindezentrums:

1546 - 1568

Die Last des Pfarrers und das Erbe der Landwirtschaft

Im 16. Jahrhundert war der Alltag im Pfarrhof von harter Arbeit geprägt. Zwischen 1546 und 1568 beklagte Pfarrer Thorn in mehreren Schreiben seine schwere finanzielle Bürde: Er musste den gesamten Unterhalt für Wohnhaus, Stallungen, Keller und Scheune selbst bestreiten.

Der Grund dafür lag im damaligen Besoldungssystem. Pfarrer erhielten kein festes Gehalt, sondern wurden durch das Recht zur Bewirtschaftung der kirchlichen Ländereien entlohnt. Die Pfarrscheune war somit ein existenzieller Nutzbau, von dessen Erträgen das Überleben des Geistlichen direkt abhing.

1671 - 1677

Zerstörung, Asche und neuer Mut

Der Dreißigjährige Krieg hatte tiefe Wunden hinterlassen. Die historische Scheune lag in Schutt und Asche. Im Jahr 1671 wendete sich das Blatt, als die Nonnen des Mainzer Altmünsterklosters die Initiative ergriffen und das Gebäude vollständig wiederaufbauten.

Das Glück war jedoch nur von kurzer Dauer. Nur drei Jahre später, im Jahr 1674, fiel die Pfarrscheune erneut einem verheerenden Brand zum Opfer. Doch die Gemeinschaft ließ sich nicht entmutigen. Bereits 1677 trotzte sie den Rückschlägen und errichtete einen soliden Neubau.

1790 – 1792

Baufälligkeit und der große Neubau

Mehr als ein Jahrhundert nach den Brandkatastrophen hatten die Spuren der Zeit an den Mauern deutlich sichtbar geworden. Um 1790 war die Pfarrscheune so baufällig geworden, dass eine einfache Reparatur nicht mehr ausreichte. In den Jahren 1790 bis 1792 wurde das Gebäude daher von Grund auf neu errichtet. So entstand ein stabiler Neubau, dessen historische Grundmauern bis heute das Fundament des Ensembles bilden.

1848 – 1911

Neue Nutzung und blockierte Pläne

Im Jahr 1848 wurde eine grundlegende Reform beschlossen. Die Besoldung der Pfarrer wurde auf eine reine Geldzahlung umgestellt, sodass diese nicht mehr auf die eigene Landwirtschaft angewiesen waren. Fortan überließen die Pfarrer die Pfarrscheune den Igstadter Landwirten, die den Raum dankbar als Lagerfläche nutzten.

Einige Jahrzehnte später, im Jahr 1911, erkannten die Gemeinde und die Kirchenvertretung das soziale Potenzial des Gebäudes. Sie beantragten den Umbau der Scheune für Gemeindezwecke, um dort unter anderem eine Kleinkinderschule einzurichten. Dieser frühe Versuch, einen sozialen Mittelpunkt zu schaffen, scheiterte jedoch und der Antrag wurde abgelehnt.

1927 – 1968

Der große Brand und jahrzehntelanger Stillstand

Am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1927, dem 26. Dezember, erlebte Igstadt eine Katastrophe. Die im Jahr 1792 erbaute Pfarrscheune fing Feuer und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Die genaue Brandursache konnte nie zweifelsfrei geklärt werden.

In den folgenden vier Jahrzehnten (1928–1968) lag das Areal brach. Alle Pläne und Vorschläge für einen Wiederaufbau scheiterten am chronischen Geldmangel der Nachkriegsjahre. Erst 1968 kam wieder Bewegung in die Ruine: Jugendleiter Gerhard Valentin und Pfarrer Wilhelmi starteten eine Initiative, um die verbliebenen Mauern zu einem modernen Gemeindezentrum auszubauen.

Seit 1970

Der Weg zum lebendigen „Schmuckkästchen“ von heute

Anfang der 1970er-Jahre feierte die Gemeinde einen ersten sichtbaren Erfolg, als der angrenzende Stall zum Gemeindehaus ausgebaut wurde. Der größte Kraftakt folgte jedoch von 1977 bis 1979: In einer mühevollen Phase gelang es, die Finanzierung über eine Mischung aus Rücklagen, Zuschüssen, Darlehen, Eigenmitteln und Spenden zu sichern. Am 11. Oktober 1980 wurde die Pfarrscheune schließlich im Rahmen des Erntedankfestes feierlich eingeweiht – das ganze Dorf feierte sein neues „Schmuckkästchen”.

Seit diesem Meilenstein ist das historische Ensemble im Wesentlichen unverändert geblieben. Mit Scheunenbühne, Küche, Foyer, Gemeindehaus und dem idyllischen Pfarrhof bildet das Areal heute das Herzstück für Kultur und Gemeinschaft. Ob für den Dorf- und Adventsmarkt, Seniorennachmittage, das beliebte Scheunentheater oder private Feiern – hier pulsiert das Leben bei den Veranstaltungen in Igstadt.